Wasserlinsenelixier nach Hildegard von Bingen

Wasserlinsenelixier nach Hildegard von Bingen

Ein seltenes und anspruchsvolles Kräuterelixier der Hildegard-Tradition

Viele Hildegard-Anhänger kennen das berühmte Wermutelixier – das Wasserlinsenelixier hingegen zählt zu den weniger bekannten, aber besonders tief verwurzelten Tränken der Hildegard-Heilkunde. Es wird traditionell kurweise angewendet und gehört zu den komplexesten Rezepturen dieser Tradition.


Bezeichnungen und Synonyme

Das Wasserlinsenelixier ist auch bekannt unter folgenden Namen:

  • Wasserlinsenwein
  • Wasserlinsentrank
  • Wasserlinsen-Kräutertrank

Die Wasserlinse selbst wird botanisch als Lemna minor bezeichnet.

Was ist das Wasserlinsenelixier?

Das Wasserlinsenelixier nach Hildegard von Bingen ist ein traditionelles Kräuterelixier aus der Hildegard-Heilkunde.

Es basiert auf der Wasserlinse, einer kleinen Pflanze stiller Gewässer, die seit dem Mittelalter in der klösterlichen Naturkunde bekannt ist.

Innerhalb der Hildegard-Tradition zählt dieses Elixier zu den besonders anspruchsvollen Rezepturen und wird vor allem kurweise angewendet.

Die Wasserlinse in der Hildegard-Naturkunde

Hildegard von Bingen betrachtete Heilpflanzen nie isoliert, sondern immer als Teil einer umfassenden Ordnung von Natur und Mensch. Ein zentraler Gedanke ihrer Lehre ist die „Grünkraft“ (viriditas), die Lebenskraft der Schöpfung.

„Die Grünkraft (viriditas) durchdringt alles Lebendige.“
— Hildegard von Bingen

Die heute bekannte Elixier-Rezeptur ist in der modernen Hildegard-Fachliteratur überliefert und lehnt sich an die Tradition der Hildegard-Medizin an.

Wozu wird Wasserlinsenelixier traditionell eingenommen?

Das Wasserlinsenelixier gehört nicht zu den milden Alltagstonika, sondern wird in der späteren Hildegard-Schule vor allem im Zusammenhang mit tief sitzenden chronischen Belastungen genannt.

Bei schweren inneren Belastungen und „Verhärtungen“

Hildegard beschreibt Krankheitsprozesse häufig als etwas, das sich im Inneren festsetzt und die Ordnung des Menschen stört. Das Wasserlinsenelixier wird in der überlieferten Hildegard-Praxis als Kurmittel verstanden, das in solchen Fällen angewendet wird.

Im Kontext schwerer Erkrankungen und ausgeprägter Abwehrschwäche

In der Hildegard-Fachliteratur, insbesondere bei Dr. Wighard Strehlow, wird das Wasserlinsenelixier im Zusammenhang mit schweren Belastungen, Tumorthemen und starker Abwehrschwäche erwähnt – nicht als Ersatz, sondern als Bestandteil einer traditionellen Kurpraxis.

Als Klartrank zur Ausleitung und inneren Ordnung

Darüber hinaus wird es traditionell als Bestandteil von Hildegard-Kuren genutzt, bei denen Ordnung, Ausleitung und Harmonisierung im Vordergrund stehen.

Für wen ist dieses Elixier gedacht?

Das Wasserlinsenelixier gilt als eines der komplexeren Hildegard-Elixiere. Es wird traditionell nicht als tägliches Genussmittel verstanden, sondern als kurweiser Trank für besondere Zeiten und belastende Zusammenhänge.

Einnahme nach Hildegard-Schule

  • zweimal täglich
  • vor dem Frühstück
  • vor dem Schlafengehen

Menge: je ein Likörglas (ca. 20–40 ml)

Kur-Dauer: 1 bis 3 Monate

Geschmack und Charakter

Das Wasserlinsenelixier besitzt einen kräftigen, würzig-herben Charakter. Die Kombination aus Honigwein, Gewürzen und Kräutern macht es zu einem typischen Hildegard-Trank, der bewusst in kleinen Mengen eingenommen wird.

Rezept: Wasserlinsenelixier selbst herstellen (nach Strehlow)

Die heute bekannte Rezeptur ist in der Hildegard-Fachliteratur überliefert, insbesondere bei Dr. Wighard Strehlow.

1. Pulvermischung

  • 2,5 g Ingwerwurzel (Pulver)
  • 10 g Zimtrindenpulver

2. Saftmischung

  • 3 g Salbeiblätter
  • 4 g Fenchel
  • 2 g Rainfarnkraut (ohne Blüten, im Frühjahr gesammelt)

3. Honigwein

  • 90 g abgeschäumter Honig
  • 1 Liter Wein
  • 1,2 g weißer Pfeffer

4. Zwischenmischung

Pulvermischung und Saftmischung in den Honigwein geben und verrühren.

5. Breimischung und Extraktion

  • 20 g Wasserlinsen
  • 40 g Blutwurz
  • 40 g Ackersenf
  • 15 g Labkraut

Alle Bestandteile zerkleinern, in einen Filterbeutel geben und mit der Zwischenmischung extrahieren. Danach filtrieren.

Quelle:
Dr. Wighard Strehlow, Hildegard von Bingen – das Gesundheitsprogramm, Kapitel: Krebs und Abwehrschwäche, Seite 85, ISBN 3-929735-03-2

Aufbewahrung und Haltbarkeit

Durch die Weinbasis ist das Elixier bei kühler, dunkler Lagerung mehrere Monate  haltbar. Nach dem Öffnen empfiehlt sich eine Aufbewahrung im Kühlschrank.

Einordnung innerhalb der Hildegard-Elixiere

Das Wasserlinsenelixier steht in einer Reihe mit anderen bekannten Hildegard-Elixieren wie dem Wermutelixier, dem Hirschzungenelixier oder dem Petersilienelixier.

Weiterführende Hildegard-Elixiere

Wenn Sie sich für die klassische Elixierkunde nach Hildegard von Bingen interessieren, finden Sie auch Informationen zu weiteren traditionellen Rezepturen wie dem Wermutelixier, dem Hirschzungenelixier oder dem Petersilienelixier.

Häufige Fragen

Kann man Wasserlinsenelixier dauerhaft einnehmen?

Traditionell wird es nicht dauerhaft, sondern kurweise über mehrere Wochen bis Monate angewendet.

Enthält das Elixier Alkohol?

Ja, die klassische Rezeptur basiert auf Wein und ist daher nicht für Kinder geeignet.

Warum ist die Herstellung so aufwendig?

Das Wasserlinsenelixier gehört zu den komplexesten Rezepturen der Hildegard-Tradition und erfordert viele Zutaten sowie eine mehrstufige Extraktion.

Fazit

Das Wasserlinsenelixier nach Hildegard von Bingen ist ein traditionsreiches und anspruchsvolles Kräuterelixier, das in der Hildegard-Schule vor allem in schweren Zusammenhängen und bei tief sitzenden Belastungen genannt wird.

Wichtiger Hinweis

Die Hildegard-Heilkunde ist eine überlieferte naturkundliche Tradition des Mittelalters. Die hier dargestellten Informationen dienen der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine medizinische Beratung.

Bei ernsthaften oder unklaren Beschwerden sowie bei schweren Erkrankungen sollten Sie unbedingt ärztlichen Rat einholen und keinesfalls eigenständig eine Therapie durchführen oder notwendige Behandlungen hinauszögern.