Hirschzungenelixier nach Hildegard von Bingen

Eines der bekanntesten Elixiere der Hildegard-Tradition
Das Hirschzungenelixier gehört zu den berühmtesten Kräutertränken der Hildegard-Heilkunde. In der klösterlichen Tradition wird es seit Jahrhunderten als vielseitiger Klartrank geschätzt – insbesondere im Zusammenhang mit Lunge, Leber und innerer Ordnung.
Inhalt
- Bezeichnungen und Synonyme
- Was ist das Hirschzungenelixier?
- Hildegard von Bingen über die Hirschzunge
- Traditionelle Verwendung
- Einnahme und Kur-Dauer
- Geschmack und Charakter
- Rezept: Hirschzungenelixier selbst herstellen
- Aufbewahrung und Haltbarkeit
- Die Hirschzunge (Hirschzungenfarn)
- Weiterführende Hildegard-Elixiere
- Häufige Fragen
- Fazit
- Wichtiger Hinweis
- Literatur und Quellen
Bezeichnungen und Synonyme
Das Hirschzungenelixier ist auch bekannt unter folgenden Namen:
- Hirschzungenkräutertrank
- Hirschzungenwein
- Hirschzungentrank
- Hirschzungenfarn-Elixier
Grundpflanze ist der Hirschzungenfarn (Asplenium scolopendrium).
Was ist das Hirschzungenelixier?
Das Hirschzungenelixier ist ein klassisches Kräuterelixier aus der Hildegard-Medizin. Es wird aus Hirschzungenfarn, Wein, Honig sowie wärmenden Gewürzen wie Zimt und langem Pfeffer hergestellt.
In der klösterlichen Tradition gilt es als kräftiger Klartrank, der nicht als Genussmittel, sondern kurweise angewendet wird.
Hildegard von Bingen über die Hirschzunge
Hildegard von Bingen schrieb über die Hirschzunge:
„Die Hirschzunge hilft der Leber, der Lunge und bei schmerzhaften Eingeweideleiden. (…) Trinke davon oft vor und nach dem Essen.“
— Hildegard von Bingen
Diese Überlieferung begründet den besonderen Stellenwert des Hirschzungenelixiers innerhalb der Hildegard-Elixierkunde.
Traditionelle Verwendung
In der Hildegard-Tradition wird das Hirschzungenelixier vor allem im Zusammenhang mit der inneren Ordnung genannt, insbesondere bei Themen rund um:
- Atemwege und Lunge
- Magen-Darm-Bereich
- Leber und innere Organe
- Erschöpfungszustände im Rahmen einer Kur
Wie bei allen Hildegard-Elixieren steht nicht der schnelle Effekt im Vordergrund, sondern die Anwendung im Rahmen einer geordneten Kurpraxis.
Einnahme und Kur-Dauer
Die traditionelle Einnahme erfolgt kurmäßig:
- 3× täglich ca. 25 ml
- jeweils vor und nach dem Essen
Kur-Dauer: maximal über einen Zeitraum von etwa 6 Wochen.
Geschmack und Charakter
Das Hirschzungenelixier besitzt einen kräftigen, würzig-warmen Charakter. Honigwein, Zimt und langer Pfeffer geben dem Trank eine typische Klosterelixier-Note, die bewusst in kleinen Mengen eingenommen wird.
Rezept: Hirschzungenelixier selbst herstellen
Das Hirschzungenelixier lässt sich nach traditioneller Rezeptur auch selbst zubereiten. Die folgende Form orientiert sich an der klösterlichen Hildegard-Praxis und an Angaben aus der Hildegard-Fachliteratur.
Zutaten (für ca. 2–2,5 Liter)
- 12 g Hirschzungenfarnkraut
- 2–2,5 Liter trockener Wein
- 200–250 g Bienenhonig
- 40 g Ceylon-Zimt
- 8 g langer Pfeffer
Zubereitung
- Hirschzungenfarnkraut in Wein geben und 5 Minuten köcheln lassen.
- Honig hinzufügen und die Mischung erneut kurz aufkochen.
- Zimt und langen Pfeffer zugeben, noch einmal aufkochen.
- Durch ein feines Sieb abseihen.
- Heiß in saubere Flaschen abfüllen und kühl sowie dunkel lagern.
Aufbewahrung und Haltbarkeit
Durch die Weinbasis ist das Elixier bei kühler, dunkler Lagerung mehrere Monate haltbar. Nach dem Öffnen empfiehlt sich eine Aufbewahrung im Kühlschrank.
Die Hirschzunge (Hirschzungenfarn)
Der Hirschzungenfarn wächst in gemäßigten Regionen Europas und ist in Deutschland selten. Er steht teilweise unter Naturschutz und wird für die Verwendung in der Naturkunde meist kultiviert.
Weiterführende Hildegard-Elixiere
Wenn Sie sich für die klassische Elixierkunde nach Hildegard von Bingen interessieren, finden Sie auch Informationen zu weiteren traditionellen Rezepturen wie dem Wermutelixier, dem Wasserlinsenelixier oder dem Petersilienelixier.
Häufige Fragen
Wird das Hirschzungenelixier dauerhaft eingenommen?
Nein. Traditionell wird es kurweise über mehrere Wochen angewendet, maximal etwa 6 Wochen.
Enthält das Elixier Alkohol?
Ja. Die klassische Rezeptur basiert auf Wein und ist daher nicht für Kinder geeignet.
Warum wird Honig verwendet?
Honig ist ein typischer Bestandteil vieler Hildegard-Elixiere und dient traditionell als Träger und Abrundung der Kräuterkomponenten.
Fazit
Das Hirschzungenelixier nach Hildegard von Bingen ist ein traditionsreiches Klosterelixier, das bis heute als kurweiser Kräutertrank geschätzt wird. Es gehört zu den bekanntesten Elixieren der Hildegard-Medizin und wird vor allem im Zusammenhang mit Lunge, Leber und innerer Ordnung genannt.
Wichtiger Hinweis
Die Hildegard-Heilkunde ist eine überlieferte naturkundliche Tradition des Mittelalters. Die hier dargestellten Informationen dienen der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine medizinische Beratung.
Bei ernsthaften oder unklaren Beschwerden sowie bei schweren Erkrankungen sollten Sie unbedingt ärztlichen Rat einholen und keinesfalls eigenständig eine Therapie durchführen oder notwendige Behandlungen hinauszögern.
Literatur und Quellen
- Dr. Wighard Strehlow: Die Hildegard-Naturapotheke – Heilmittel und Rezepte von A bis Z
- Jura Naturheilmittel: Die beliebtesten Getränke der Hildegard-Medizin