Hildegard von Bingen (1098–1179) beschreibt im „Liber Vitae Meritorum“ 35 Tugenden und die ihnen gegenüberstehenden Laster. Diese Gegenüberstellungen gelten als geistiges Ordnungsmodell: Tugenden stabilisieren, Laster belasten und führen zu innerer Unruhe. Die Übersicht dient als kompakter Wegweiser zur Selbsterkenntnis und inneren Balance.
Grundidee: Tugend gegen Laster
In Hildegards Denken steht jede Tugend einer inneren Gegenkraft gegenüber. Tugenden wirken ordnend: sie fördern Maß, Klarheit, Beständigkeit und Frieden. Laster wirken zersetzend: sie treiben in Maßlosigkeit, Streit, Neid, Hochmut oder innere Leere. Die 35 Paare zeigen typische Konfliktlinien des Menschen – verständlich, praktisch und zeitlos.
Die 35 Tugenden und Laster nach Hildegard von Bingen
Hinweis: Die Bezeichnungen sind in lateinischer Form mit deutscher Bedeutung angegeben.
Amor saeculi (Bindung an das Materielle) ↔Amor caelestis (Ausrichtung auf das Himmlische)
Hildegards Gegenüberstellungen sind ein Trainingsplan für innere Klarheit: Wer erkennt, welche Muster gerade wirken, kann bewusst gegensteuern. Im Alltag zeigt sich das oft sehr konkret – etwa bei Streitlust versus Friedensfähigkeit, Maßlosigkeit versus rechtem Maß oder Zerstreuung versus Stabilität. Gerade deshalb wird diese Lehre bis heute als spiritueller Kompass genutzt.
Viele Menschen lesen die 35 Paare wie eine Landkarte: Nicht um perfekt zu sein, sondern um Orientierung zu gewinnen – Schritt für Schritt.
FAQ: Häufige Fragen
Wo stehen die Tugenden und Laster nach Hildegard von Bingen?
Die systematische Darstellung findet sich im „Liber Vitae Meritorum“ (Buch der Lebensverdienste). Dort werden Tugenden und Laster als Gegenkräfte beschrieben.
Wie viele Tugenden beschreibt Hildegard von Bingen?
In dieser Lehre werden 35 Tugenden jeweils einem entsprechenden Laster gegenübergestellt.
Warum werden Tugenden und Laster als Paare dargestellt?
Weil Hildegard den Menschen als inneres Spannungsfeld versteht: Jede aufbauende Haltung hat eine entgegengesetzte Tendenz, die den Menschen aus dem Gleichgewicht bringen kann.
Welche Tugenden gelten als besonders zentral?
Häufig hervorgehoben werden Maß (Discretio), Geduld (Patientia), Wahrhaftigkeit (Veritas), Demut (Humilitas) und Frieden (Pax), weil sie viele andere Bereiche stabilisieren.