Herzwein nach Hildegard von Bingen

Der Herzwein nach Hildegard von Bingen
Traditioneller Petersilientrank der Klosterheilkunde – eines der bekanntesten Hildegard-Elixiere

Der Petersilientrank, auch bekannt als Herzwein, Petersilienhonigwein oder Petersilienelixier, gehört zu den beliebtesten Rezepturen der Hildegard-Medizin. Bis heute wird er in der klösterlichen Tradition als kräftigender Weintrank geschätzt und kurweise angewendet.


Bezeichnungen und Synonyme

Der Petersilientrank ist unter mehreren traditionellen Namen bekannt:

  • Petersilienelixier
  • Herzwein
  • Petersilienhonigwein
  • Petersilienwein
  • Hildegard-Herztrank
  • Decoctum Petroselini

Grundpflanze ist die Petersilie (Petroselinum crispum).

Was ist Herzwein?

Der Herzwein nach Hildegard von Bingen ist ein traditionelles Elixier aus Petersilie, Wein, Essig und Honig. Die Rezeptur gehört zu den bekanntesten Klostertränken der Hildegard-Heilkunde und wird bis heute als Bestandteil einer geordneten Kurpraxis überliefert.

Hildegard von Bingen über den Petersilientrank

Hildegard beschreibt den Herzwein in ihren überlieferten Schriften mit klaren Worten:

„Wer im Herzen oder in der Milz oder in der Seite Schmerzen leidet, der koche Petersilie in Wein mit etwas Essig und reichlich Honig und trinke den so zubereiteten Wein oft.“
— Hildegard von Bingen

Dieses Zitat macht deutlich, warum der Petersilientrank bis heute als eines der zentralen Hildegard-Elixiere gilt.

Historischer Hintergrund (Hertzka)

Der bekannte Hildegard-Arzt Dr. Gottfried Hertzka führte die großangelegte Herstellung des Herzweins im 20. Jahrhundert wieder ein. Der Petersilientrank war eines der ersten Hildegard-Mittel, das in der Konstanzer Rats-Apotheke im größeren Stil hergestellt wurde.

Traditionelle Verwendung

In der Hildegard-Heilkunde wird Herzwein traditionell als kräftigender Petersilientrank genannt, insbesondere im Zusammenhang mit:

  • innerer Stärkung und Ordnung
  • Herz und Kreislauf im Rahmen der Tradition
  • Nerven und Belastungszeiten
  • allgemeinem Wohlbefinden im Rahmen einer Kur

Einnahme und Kur-Dauer

Traditionelle Anwendungsempfehlung:

  • 3× täglich ca. 25 ml nach den Mahlzeiten
  • zur allgemeinen Kräftigung auch 2× täglich möglich

Kur-Dauer: häufig über mehrere Wochen, klassisch bis etwa 6 Wochen.

Geschmack und Charakter

Herzwein besitzt einen würzig-süßen Charakter: Petersilie bringt eine frische Kräuternote, Honig rundet den Trank weich ab, während Wein und Essig eine typische Klosterelixier-Tiefe geben.

Rezept: Herzwein selbst herstellen

Die Zubereitung ist haushaltsüblich und orientiert sich eng an der überlieferten Hildegard-Rezeptur.

Zutaten (für ca. 1 Liter)

  • 10 Stängel glatte Petersilie
  • 1 Liter Rotwein (oder Weißwein, echt und hochwertig)
  • 2 EL Weinessig
  • 80–150 g Bienenhonig

Zubereitung

  1. Petersilie mit Wein und Essig 5 Minuten kochen.
  2. Honig hinzufügen und weitere 5 Minuten köcheln lassen.
  3. Abschäumen und durch ein Sieb abseihen.
  4. Heiß in sterile Flaschen abfüllen.
  5. Kühl und dunkel lagern.

Aufbewahrung und Haltbarkeit

Traditionell hergestellter Herzwein ist bei sauberer Abfüllung und kühler Lagerung in der Regel mehrere Monate haltbar. Nach dem Öffnen empfiehlt sich eine Aufbewahrung im Kühlschrank.

Die „kleine Herzkur“ mit Galgant

Dr. Hertzka überlieferte eine bekannte Kombination, die als „kleine Herzkur“ bezeichnet wird:

  • täglich ein Likörglas Petersilientrank
  • plus eine Messerspitze Galgantwurzelpulver

Weiterführende Hildegard-Elixiere

Weitere traditionelle Hildegard-Elixiere finden Sie hier:

Häufige Fragen

Kann Herzwein täglich eingenommen werden?

Traditionell wird Herzwein kurweise angewendet, häufig über mehrere Wochen.

Welcher Wein ist geeignet?

Hertzka betont, dass roter oder weißer Wein möglich ist – entscheidend ist, dass er echt und hochwertig ist.

Enthält Herzwein Alkohol?

Ja, da die klassische Rezeptur auf Wein basiert, ist er nicht für Kinder geeignet.

Fazit

Das Petersilienelixier (Herzwein) nach Hildegard von Bingen ist eines der bekanntesten Mittel der Klosterheilkunde. Die einfache Rezeptur aus Petersilie, Wein, Essig und Honig macht ihn bis heute zu einem geschätzten Bestandteil der Hildegard-Tradition.

Wichtiger Hinweis

Die Hildegard-Heilkunde ist eine überlieferte naturkundliche Tradition des Mittelalters. Die hier dargestellten Informationen dienen der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine medizinische Beratung.

Bei ernsthaften oder unklaren Beschwerden sowie bei schweren Erkrankungen sollten Sie unbedingt ärztlichen Rat einholen und keinesfalls eigenständig eine Therapie durchführen oder notwendige Behandlungen hinauszögern.

Literatur und Quellen

  • Dr. Wighard Strehlow: Die Hildegard-Naturapotheke
  • Dr. Gottfried Hertzka & Dr. Wighard Strehlow: Große Hildegard-Apotheke
  • Überlieferte Hildegard-Rezeptur (Decoctum Petroselini)